Sexsomnie – Die erotische Schlafstörung
Wer schläft, sündigt nicht – diese etwas altmodisch klingende Weisheit wird durch neuere Studien kanadischer Wissenschaftler in Frage gestellt. Die Schlafforscher fanden bei einer Befragung von mehr als 800 Patienten, die an unterschiedlichen Formen der Schlafstörung leiden, heraus, dass in etwa jeder zehnte Mann und vier Prozent der interviewten Frauen während des Schlafes und ohne sich ihrer Handlungen bewusst zu sein schlafend sexuell aktiv werden. Dieses erst seit Mitte der 90er Jahre überhaupt bekannte und noch immer weitestgehend unerforschte Phänomen bekam in Anlehnung an den Fachbegriff für allgemeine Schlafstörung (Insomnie) den Namen Sexsomnie.
Merkmale von Sexsomnie
Wer an Sexsomnie – auch bekannt als SBS(Sexual Behaviour in Sleep) oder kurz Sleep Sex – leidet, kommt mitten in der Nacht und im Schlaf zu Sache. Der ebenfalls schlafende Partner wird intim berührt und in vielen Fällen kommt es sogar zur analen oder vaginalen Penetration. Bei einer anderen Variante der sexuellen Schlafstörung kommt es zu autoerotischen Handlungen – der Schlafende befriedigt sich selbst ohne zuvor Aufzuwachen. Wie beim Schlafwandeln ist die normale Blockierung oder Ausschaltung der Muskulatur, die zum Beispiel verhindert, dass wir in Albträumen wild um uns schlagen und uns und andere Personen verletzen, nicht aktiv. Der Bewegungsapparat funktioniert einwandfrei – auch unterhalb des Bauchnabels…
Gerade die Onanie im Schlaf wird oft jahrelang nicht als Schlafstörung erkannt. Bei Frauen hinterlässt nächtliche Selbstbefriedigung kaum sichtbare Spuren – und ein Slip kann im Schlaf schon mal verrutschen – während Männer angesichts von Spermaspuren eher einen feuchten Traum als eine sexuelle Störung ihres Schlafverhaltens vermuten.
Folgen der Sex Lust im Schlaf
Sex während des Schlafes: was beim ersten Hinhören eigentlich ganz reizvoll klingt, erweist sich bei genauerer Betrachtung als wenig sexy. Wie bei allen Schlafstörungen fühlen sich von Sexsomnie betroffene Personen am Morgen reichlich unattraktiv. Unausgeglichenheit, gereizte Stimmung und Müdigkeit während des ganzen Tages sind die Folge der nächtlichen Sleep Sex Attacken.
Weitaus problematischer sind jedoch die Folgen für eine Beziehung. Oft erfährt der Betroffene durch den Partner von nächtlichem ‘Gegrapsche’ und ‘Gefummele’. Viele kennen das Phänomen nicht und halten die sexuellen Avancen schlicht für eine Unverschämtheit. Im schlimmsten Falle fühlt der Partner sich regelrecht benutzt oder vergewaltigt. Auch deshalb, weil beim Schlaf-Sex auch sexuelle Gewalt Phantasien ausgelebt werden können. Der schlafende Casanova kann sich so gut wie nie an seine erotischen Umtriebe erinnern. Ohne professionelle Hilfe nimmt in vielen Fällen die Beziehung einen irreparablen Schaden.
Was kann man tun
Wer Anzeichen einer Sexsomnie bemerkt, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Spezielle Medikamente schränken die Aktivität der Muskeln sehr stark ein – und nachts ein wenig bekuschelt zu werden ist dann kaum noch ein ernst zu nehmendes Problem.
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