Blue Eyes

Blue Eyes

Ich glaube, dass es ihre blauen Augen waren! Kein Traum, der an mir vorüberzieht wie eine große Schar von Wolken! Keine Gedanken, die in mir aufsteigen wie bunte Luftballons! Eine Erinnerung, die durch seltsame Weise eines Liebeszaubers eingefangen wurde! Sie wusste es, dass sie mich mit ihrem Blick aus meiner Lebensumlaufbahn geworfen hatte. Fasziniert von ihrer Frisur, die aus zierlichen Locken mit sonnenfarbigen Strähnen bestand, legte ich mir Wortsätze zusammen, um nicht auf die Nase zu fallen, wenn ich sie anspreche. Doch das Schicksal wollte es anders!

Kurz nippte ich an meinem Espresso und schaute mir die anderen Gäste in dem kleinen Café an. Darum bemerkte ich auch nicht den jungen Mann, der sich zu ihr an den Tisch setzte. Mit einer inneren Enttäuschung gab ich der Kellnerin ein Zeichen, dass ich zahlen wollte. Und trotz dieser Niederlage beobachtete ich sie weiter und stellte fest, dass sie sich mit dem jungen Mann in eine Auseinandersetzung verrannte. Ich sah sie mit langsamen Schritten mir entgegenkommen. Aus Trotz schaute ich an ihr vorbei, aber bemerkte, wie sie ihre Blicke auf mich richtete und ein Lächeln zeigte. Was sollte ich jetzt tun? Alles, was sie tun würde, dachte ich, ist, mich links liegen lassen. Wie konnte ich ihr ihre Zuneigung gewinnen?

Ein greller Blitz riss mich aus meinen Erinnerungen. Ich vernahm den Regen, der seine Tropfen gegen mein Fenster warf. Kurz sortierte ich meinen Gedankenlauf. Wie aus Eimern fiel der Regen auf die Erde herab! Mit eiligen Schritten lief ich durch die regnerische Nacht. Nach einer halbstündigen Verspätung stand ich dann vor ihrer Haustür und drückte auf den Klingelknopf. Die Haustür wurde geöffnet, und ich blickte auf eine im Abendkleid stehende faszinierende Frau. Wie ein begossener Pudel betrat ich das Haus. Groß und geschmackvoll eingerichtet! Sie hatte Stil! Ein schönes Haus, aber eine noch schönere Gastgeberin, gab ich ihr zu verstehen, was sie mit einem zarten Lächeln quittierte. Mit einer Selbstsicherheit reichte sie mir erst einmal ein Handtuch zum Abtrocknen. Während ich meine Haare trockenrieb, schaute sie mich auf seltsame und geheimnisvolle Weise an. Mit langsamen Schritten kam sie auf mich zu. Ich war völlig vor den Kopf gestoßen und bemerkte auch nicht, wie das Handtuch zu Boden fiel. Wie in eine andere Dimension geschleudert, starrte ich sie an. Ihr Lächeln verriet mir, dass sie genau wusste, was sie tat, also nahm sie in meine Arme. Die Berührungen meiner Hände ließen sie davontreiben wie eine Feder im Wind! Davon abgesehen, dass es draußen regnete und der Wind zum Sturm wurde, war es doch vor dem Kaminfeuer am gemütlichsten. Die leise Musik begleitete jedes Knistern der brennenden Holzscheite. Das Interesse an der Musik hatte ich schon nach Sekunden verloren, nur an ihr nicht, die mir gegenübersaß!

Sie, mit diesen blauen Augen, dem lockigen Haar und diesen sonnenfarbigen Strähnen! Aber trotzdem kam ich mir hilflos vor, weil ich mich bloß durch ihre Anwesenheit gefangen fühlte. Ich spürte das leichte Atmen in meinem Nacken, als sie sich an mich schmiegte und mit ihren Küssen meine Sinne betäubte! Ich konnte ihr Lächeln nicht sehen, aber ich wusste ganz genau, dass dieses verführerische Lächeln da war! Ich versuchte an etwas anderes zu denken, Ich hob meine Hand und strich durch ihr lockiges Haar. Mit geschlossenen Augen genoss sie meine Berührungen, die ich dann mit einem Kuss besiegelte. Ihre Lippen entfachten in mir eine Dimension eines blauen Lichtes, das mich in die Weite davontrug. Ihre Gestalt schnellte beim Auskosten dieses Augenblickes nach oben. Ihr lief ein kleines Lächeln über ihre Lippen, und so sank sie zu mir auf den Teppich herab. Eine kleine Ewigkeit strich an uns vorüber. Nimm mich noch einmal mit auf die Reise, flüsterte sie mir behutsam und mit zärtlicher Stimme ins Ohr. Wie kleine Fische in dem großen See der Erfüllung erlagen wir der Macht unserer Herzen! Gleichmäßig tauchten wir gemeinsam in unsere Gefühlsseen ein und ließen uns vom Strom der schwankenden Wellen treiben! Ich fühlte diese seidige Illusion, als sie sich an mir fest zu halten versuchte. Beide wussten wir, dass es jeden Moment geschehen würde. Ich vernahm ihren leisen Atem in meinen Gedanken und nahm ihn in mich auf, wie die Berührungen unserer Handflächen, die ineinander gelegt waren. Dann strich sie mir mit ihrer Nase über mein Gesicht. Behutsam stand ich von meinem Sessel auf und sah vom Fenster aus die mit schattigem Licht erhellten Straßen. Ein vergangenes Abenteuer war gelebt und gleichzeitig geträumt.

Würden mir nur diese Erinnerungen an sie bleiben? Ich konnte mir diese Frage nicht einmal mehr in meiner jetzigen Lage, die ich an meinem Fenster verbrachte, beantworten. »Show me heaven!« So bahnte sich das nächste Lied, das durch mein kleines Wohnzimmer huschte, seinen Weg in meine Träume. 03.48 Uhr nachts! Ihr schulterlanges lockiges Haar mit diesen sonnenfarbigen Strähnen überzogen sowie das sanft zarte Lächeln ihrer sinnlichen Lippen!!! War dies alles, was ich hatte, war da sonst gar nichts mehr??? Mit dieser einzigen Frage in meiner Seele löschte ich die kleine Lampe an der rechten Seite meines Sessels. Um mich herum ist finstere Nacht!

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